Die Salutogenese hat die Überwindung des einseitigen pathogenetischen Denkens zum Ziel. Fragt das pathogenetische Denken primär nach den Ursachen von Krankheiten und Störungen, so die Salutogenese primär nach den Gründen und Quellen von Gesundheit, Wohl- und Sinngefühl. Hat das Pathologiemodell primär die Defizite im Blick, so das Salutogenesemodell die Ressourcen. Im Gegensatz zu dem bio-medizinischen Paradigma für die Erklärungen von Krankheiten wenden sich bio-psychisch-geistig-soziale Modelle also primär der Frage zu, unter welchen Bedingungen Menschen gesund bleiben und wieder gesund werden können. Sie eröffnen dazu vielfältige Denkrichtungen und Handlungsmöglichkeiten.
Die Salutogenese bedeutet aus zwei Gründen einen Paradigmenwechsel in der Gesundheitsforschung:
1.statt primär Pathogenese primär Salutogenese,
2.statt medizinisch isolierter Facharbeit Zusammenarbeit aller gesellschaftlich relevanten Kräfte, die sich für das Wohl der Menschen zuständig fühlen.
Angebahnt wurde die Entwicklung der Salutogenese im englischen Sprachraum in den 60er Jahren durch die humanistische Psychologie, vor allem durch Carl Rogers, Abraham Maslow, Erich Fromm und den der humanistischen Psychotherapie nahestehenden Begründer der Logotherapie Viktor E. Frankl. In Deutschland fand sie erst in den 90er Jahren gesundheitspolitische und akademische Beachtung.
Den ersten grundlegenden Entwurf einer Salutogenese schrieb der Medizinsoziologe Aaron Antonowsky. Zentrum seines Konzepts ist der Begriff „Kohärenzgefühl“. Das bedeutet: Gesund ist ein Mensch, der sich selbst und seiner Umwelt gegenüber in Beziehung fühlt. Um dieses Gefühl entwickeln zu können, sind drei Kriterien zu erfüllen:
1. Die Fähigkeit, sich selbst und die Zusammenhänge des Lebens verstehen zu können (Verstehbarkeit, kognitiver Aspekt),
2. die Überzeugung, dass das Leben sinnvoll ist (Sinnhaftigkeit, emotionaler Aspekt),
3. die Gewissheit, dass man das eigene Leben gestalten kann (Handhabbarkeit, kreativer Aspekt).
Die Wertorientierte Persönlichkeitsbildung ist eine Fachrichtung der Salutogenese, weil sie
1. ressourcen- und sinnorientiert ist,
2. die Zusammenhänge des Lebens verstehbar zu machen versucht,
3. auf die Gestaltungsmöglichkeit von Leben größten Wert legt.
Autor: Dr. Uwe Böschemeyer, der die Texte dem DBWP zur Verfügung gestellt hat.